x

Branchenkommunikation ist enorm wichtig

Datum: 24.09.2020Quelle: moproweb

 

 

 

 

Aktuell werden erste Teile der Sektorstrategie Milch 2030 umgesetzt. Als besonders wichtig wird dabei die Etablierung einer gemeinschaftlichen Kommunikation gesehen, die der Branche das Sprechen mit einer Stimme ermöglichen soll. moproweb sprach mit Peter Stahl, Vorsitzender des Milchindustrie-Verbands (MIV) und CEO der Hochland SE.

 

moproweb: Herr Stahl, Branchenkommunikation – warum?

 

Stahl: Die Milchwirtschaft ist Kritik ausgesetzt – oft genug unsachlich und polemisch. Sie betrifft das Lebensmittel Milch an sich und auch die Nutztierhaltung. Wir wollen glaubwürdig aufklären aus der Praxis auf den Höfen und mit wissenschaftlich fundierten Statements zur Milch.

 

moproweb: Branchenkommunikation war schon in der Branchenstrategie 2030 angesprochen, wer steht dahinter?

 

Stahl: Die Branchenkommunikation ist ein wichtiger Teil der Sektorstrategie, die auch meine Unterschrift trägt, ebenso wie die Unterschriften der anderen Bundesverbände der Milch: DBV, DRV und BPM. Nach langen und fruchtbaren Diskussionen haben wir uns gemeinsam darauf verständigt.

 

moproweb:  Haben Sie die Unterstützung aller?

 

Stahl: Das hoffe ich! Es gab intensive Abstimmungsprozesse, alles war transparent. In einer digitalen „Roadshow“ wurde das Kommunikationskonzept in sechs Konferenzen vorgestellt. Jeder konnte mitreden, Landwirte, Milcherzeuger und die Landesorganisationen, die ja auch die Verbraucher vertreten. Da wurde gute Arbeit geleistet und ich danke allen Beteiligten für das Engagement.

 

moproweb: Wie muss man sich eine Branchenkommunikation  vorstellen?

 

Stahl: Die Grundidee ist: Wir müssen den Verbraucher besser erreichen und informieren, über Landwirtschaft, über Verarbeitung und Vertrieb. Wir haben eine Expertengruppe gebildet unter der Leitung von Oliver Bartelt (DMK). Der lud verschiedene Agenturen zum „Pitch“, den der MIV bezahlte. In der Gruppe war der Bauernverband mit Axel Finkenwirth kompetent vertreten, außerdem der Raiffeisenverband mit Heinrich Schmidt. Die Agentur Fischer-Appelt setzte sich schließlich bei den Kommunikationsexperten der MIV-Mitgliedsunternehmen durch. Mein Dank gilt allen beteiligten Agenturen für die spannenden Präsentationen.

 

moproweb: Was ist der Zeitplan?

 

Stahl: Anfang Oktober werden wir alle deutschen Molkereien anschreiben mit der Fragestellung: Unterstützt das die Molkereiwirtschaft und ist sie bereit, für mindestens vier Jahre 15 Cent pro Tonne Rohmilch abzuführen? Einbezogen wird die Milch von deutschen Erzeugern an deutsche Werke. Wir starten nur, wenn ca. 80% der deutschen „Milch“ uns unterstützen.

 

moproweb: Starten heißt was?

 

Stahl: Dann würden wir mit den Kollegen eine GmbH in Berlin gründen, eine Geschäftsführung sowie einen Beirat für den fachlichen Unterbau installieren. Gestartet würde dann Silvester.

 

moproweb: Wer wäre Gesellschafter, wer wäre Absender?

 

Stahl: Die Gesellschafter wären gleichberechtigt der Bauernverband, der Genossenschaftsverband und der Milchindustrie-Verband. Jeder der Verbände hätte ein Vetorecht, das wir hoffentlich nicht brauchen. Die Geschäftsstelle wäre unabhängig von den genannten Organisationen in Berlin. Die Geschäftsführung müssen wir dann kompetent besetzen – außerhalb der genannten Verbände. Absender im werblichen Sinne wäre die „Initiative Milch“, wir wollen mit gutem Grund das „Wir“ stärken.

 

moproweb: „Guter Grund“? Was heißt das?

 

Stahl: Erreichen wir den Verbraucher nicht mehr, wendet er sich von der Milch ab, dann spielt es keine Rolle, ob die Landwirtschaft oder die Molkereien Fehler gemacht haben – und alle in der Wertschöpfungskette leiden darunter. Wir müssen in der Milchwirtschaft gemeinsam besser werden und vor allem gemeinsam besser kommunizieren!

 

moproweb: Ist das nun gegen Veganer gezielt?

 

Stahl: Darum geht es nicht. Etliche Molkereien, Genossen und Private, vermarkten übrigens auch vegane Produkte. Wir wollen nicht „gegen“ etwas argumentieren, sondern „für“ etwas: Milchprodukte sind lecker, sicher und nährstoffreich.

 

moproweb: Ist das nicht alles teuer?

 

Stahl: Teurer wäre es, nichts zu tun! Wir reden über ca. 3 Mio. € im Jahr. Die alte CMA hatte für Milch 30 Mio. € Budget jährlich zur Verfügung, auch wenn das Geld nicht immer sinnvoll ausgegeben wurde. Ein anderer Vergleich: Frankreich zum Beispiel sammelt 40 Mio. € pro Jahr ein. Meine Empfehlung: Wir messen heute unseren Status, investieren für vier Jahre insgesamt 12 Mio. €, messen dann erneut und entscheiden über die weitere Zukunft der Branchenkommunikation.

 

moproweb: Stichwort CMA: Erst schafft man sie ab und nun wird neu gegründet?

 

Stahl: Wir gründen keine CMA 2.o, auch wenn das in Leserbriefen bei top agrar behauptet wird. Wir wollen reden über Milch, positiv und konstruktiv. Wir wollen aber keine Milchköniginnen finanzieren, und wir sind auch kein Nebenbudget für landwirtschaftliche Organisationen. Wir sind schlank, transparent und hoffentlich erfolgreich. Sollten wir scheitern, scheitern wir alle zusammen.

 

moproweb: Gibt es einen Plan B?

 

Stahl: Damit meinen Sie: Was passiert, wenn nicht 80% der Milch zustimmen? Das wäre aus meiner Sicht ein Rückschlag. Bei demokratischen Wahlen steht das Ergebnis allerdings nicht vorher fest. Mein Unternehmen stimmt natürlich für die Finanzierung der Branchenkommunikation.

Ein Plan B, den ich nicht will, wäre der Status quo: Ein Flickenteppich von jeweils zu kleinen Kommunikations-Etats in verschiedenen Landesverbänden. Und eben wieder keine einheitliche Stimme für die Milch.

 

moproweb: Lieber Herr Stahl, danke für das Gespräch.

Roland Sossna / moproweb

Artikel mit Bildern drucken Artikel ohne Bilder drucken

Newsletter

Immer die aktuellsten Informationen. Melden Sie sich hier für unseren Newsletter an.