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Nachhaltigkeitspreise: Ernährungsbranche schöpft Potenzial nicht aus

Datum: 2016-05-31 07:00:00Quelle: Uni Hohenheim

Viele Unternehmen der Ernährungsbranche engagieren sich in Sachen Nachhaltigkeit – und das möchten sie auch nach außen darstellen. Eines der Instrumente dazu sind Nachhaltigkeits-Awards. Mit ihnen lässt sich vor allem das Unternehmens-Image aufbessern, bei den Verbrauchern sind sie noch kaum bekannt. Das liegt daran, dass die Nachhaltigkeitspreise noch in den Kinderschuhen stecken, meint die Ökonomin Dr. Beate Gebhardt von der Universität Hohenheim. Ihr Buch zum Thema ist kürzlich erschienen.
Bei den Unternehmen sind einzelne Nachhaltigkeitspreise recht bekannt. „Viele Verbraucher kennen jedoch keinen einzigen Nachhaltigkeitspreis“, sagt Gebhardt. „Verbrauchern sind eher die Labels wie Bioland oder Fairtrade ein Begriff.“ Doch gleich ob Siegel, Ranking oder Award – im Lebensmittelbereich spielen bei der Kaufentscheidung ethische Aspekte ohnehin für viele nur eine flankierende Rolle. „Doch das Interesse an diesen Informationen steigt in der Öffentlichkeit deutlich. Verbraucher fühlen sich oft orientierungslos“, so Gebhardt.


Sinnvolles Instrument für ein besseres Image

Positive Effekte haben Nachhaltigkeitspreise auf die Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern, auf die Motivation der eigenen Mitarbeiter und allgemein die Sympathie unter den Kunden. „Kurz: Das Unternehmen kann damit sein Nachhaltigkeits-Image verbessern“, so die Expertin. „Und das gilt insbesondere, wenn die Auszeichnung von unabhängigen Einrichtungen mit hoher Reputation vergeben wird.“ Ein Vorteil von Awards gegenüber anderen Formen der Nachhaltigkeits-Kommunikation bestehe in der Limitierung: „Einen Preis bekommt nicht jeder. Und er stellt eine gute Story für die Medien dar, denn Awards sorgen für Aufmerksamkeit.“ Zudem basieren sie auf einem Vergleich mit anderen, was für Übersicht sorgt. „Sie sind ein einfaches und eindeutiges Signal: Das ist der Gewinner! Und diese Form kommt den Verbrauchern sehr entgegen, die nach Schlüsselinformation suchen“, erklärt Dr. Gebhardt.

 

Nachhaltigkeitspreise haben Schwachstellen

Doch um das Instrument der Nachhaltigkeitspreise weiter auszubauen, müssen zunächst die Schwachstellen angegangen werden:

  • Mangelnde Transparenz der Kriterien: Bei vielen Preisen sind die Vergabekriterien kaum nachvollziehbar und vage formuliert. „Eine geringe bis mittlere Transparenz der Vergabekriterien ist für die meisten Nachhaltigkeitspreise kennzeichnend“, erklärt Dr. Gebhardt.
  • Verbraucher kaum angesprochen: Als Zielgruppe gelten bei einem Award die Verbraucher und die Öffentlichkeit. „Diese wird aber bisher viel zu wenig angesprochen, und zwar weder von den Vergabeinstitutionen noch von den Unternehmen“, gibt Dr. Gebhardt zu bedenken.
  • Großer Freiheitsgrad: In der Regel können sich die Unternehmen selbst für einen Nachhaltigkeits-Award bewerben – und haben dabei selbst in der Hand über welches Engagement sie berichten. „Dieser Freiheitsgrad bedeutet, dass für den Award nicht unbedingt das tatsächliche, gesamte Engagement des Bewerbers herangezogen wird.“
  • Relative Exzellenz: Selbst der gleiche Award kann von Jahr zu Jahr eine unterschiedliche Aussagekraft haben. „Das Teilnehmerfeld ändert sich jedes Mal. Dadurch kann das Niveau in einem Jahr höher, im anderen niedriger liegen. Vergleiche zwischen den Jahren sind damit bei vielen Nachhaltigkeitspreisen nicht möglich. Und die Exzellenz, die ein solcher Preis zum Ausdruck bringt, ist immer nur relativ.“

 

 

 

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