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Vegan ist nicht so gut wie manche denken

Datum: 24.08.2020Quelle: The Spectator

In der gängigen Vorstellung vieler Verbraucher gehen Veganismus und Umweltschutz Hand in Hand. Beide werden – oft mit einer Stimme – von ultra-progressiven Typen verfochten, die fordern, dass wir ethischer und verantwortungsbewusster leben sollten, um den Planeten zu retten. Es wird argumentieret, dass weniger Verzehr von weniger Methan freisetzenden tierischen Produkten und mehr landwirtschaftlich effizienterer Feldfrüchte der erste Schritt sei, den wir alle als Einzelne unternehmen können, um den Klimawandel aufzuhalten.

 

Ein vom britischen Sustainable Food Trust veröffentlichter Bericht stellt nicht nur implizit die Annahme in Frage, dass Veganismus und Umweltschutz in Symbiose stehen, sondern zeigt auf, dass die beide in einem Konflikt miteinander stehen können.

 

Der Bericht fordert Veganer auf, den Konsum von Sojamilch einzustellen, und zeigt, dass Milch von Kühen, insbesondere vom Weidegang,  statt importierter Sojabohnen viel besser für eine nachhaltige Lebensweise ist.

Die weltweite Produktion von Sojabohnen und Palmöl hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt und steigt weiter an. Beide machen 90 Prozent der weltweiten Pflanzenölproduktion aus und werden in verarbeiteten Lebensmitteln, Tierfutter und Non-Food-Produkten verwendet. Viele von uns sind auf die Verwüstung der Regenwälder durch den Palmölanbau eingestimmt, aber weniger bekannt ist der vergleichbare Raubbau, der durch die Sojabohnenproduktion verursacht wird.

 

Veganismus, wie er heute praktiziert wird, ist vor allem der kosmopolitischen Mittelschicht vorbehalten, deren Ernährung oft Quinoa aus Südamerika, Mandeln aus Kalifornien, Granatäpfel aus Indien, Bohnen aus Brasilien, Goji-Beeren aus China und Soja aus Südostasien umfasst. Die meisten beliebten pflanzlichen Proteinquellen, darunter Kichererbsen, Linsen und Chiasamen, werden in der Regel ebenfalls Tausende von Kilometern weit geflogen.

 

Ein anderer Ersatz für Milchprodukte, die Mandel, stammt aus der Monokulturlandschaft der Mandel-Ebenen Kaliforniens, wo mit Pestiziden und Fungiziden gearbeitet wird, bevor das Produkt Tausende von Kilometern geflogen wird. Für die Herstellung von nur einem Glas „Mandelmilch“ werden kolossale 61,5 Liter Wasser benötigt.

 

Der Appetit auf modische vegane Lebensmittel kann verheerende Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft haben. Im Jahr 2013 schossen die Preise für Quinoa so stark in die Höhe, dass es sich diejenigen, für die es in den Andenregionen eine zentrale Rolle in der lokalen Ernährung spielt, nicht mehr leisten konnten.

 

Der hohe Verarbeitungsgrad vieler “veganer Nahrungsmittel” ist ein weiteres Problem. Im Februar erklärte Graham McAuliffe vom größten britischen Agrarforschungsinstitut in Rothamsted, dass Tofu einen schlechteren Kohlenstoff-Fußabdruck hat als Huhn, Schwein oder Lamm. Das proteinhaltige Lebensmittel hat einen größeren Kohlenstoff-Fußabdruck als das Fleisch, das es angeblich ersetzt, weil es verarbeitet wird und weil es aus Soja hergestellt wird. Ähnlich verhält es sich mit kuhfreiem veganem „Käse“ aus Kokosnussöl.

 

Es ist nicht unbedingt der Veganismus an sich, der schlecht für die Umwelt ist. Eine Studie der Universität Oxford aus dem Jahr 2018 ergab, dass vegane Ernährung der effektivste Weg ist, um unseren ökologischen Fußabdruck zu verringern, was stimmt, aber nur im Falle einer vernünftigen und rationalen veganen Ernährung. Würden sich die Verbraucher von Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Beeren, Reis und Hafer ernähren, die saisonal vor Ort angebaut und nicht verarbeitet werden, würden sie in der Tat Ihren Kohlenstoff-Fußabdruck erheblich reduzieren.

 

Das klingt aber nach einem sehr langweiligen und zeitaufwändigen Leben, was wiederum den Reiz der heutigen exotischen veganen Ernährung erklärt, einer Modeerscheinung, die für unseren Planeten eher schlecht ist.

 

 

Foto: pxhere

Roland Sossna / moproweb

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