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Milch-Marketing_08_2014

08/14 · milch-marketing.de 17 pro Liter Milch einen Preis über dem üblichen Niveau für Biomilch-Erzeuger. Starke Kaufimpulse durch (r)affinierte Käsekreationen Nach Angaben von Matthias Köpf gehen besonders starke Kaufimpulse in der Theke von affinierten Käsekreationen mit ausgefallenen Zutaten aus. Doch verzeichnen die Käserebellen auch beim Hartkäse-Klassiker Bergkäse weiter eine konstant wachsende Nachfrage. Um Kunden die Besonderheiten der Bergkäse-Produkte besser vermitteln zu können, benötigt das Personal im Handel entsprechendes Wissen und Kompetenz. Die Käsesommeliers der Käserebellen bieten dem Einzelhandel Schulungen für Mitarbeiter an, bei denen auch Schneidetechniken, das Legen von Käseplatten oder die Besonderheiten der Käsesorten vermittelt werden. „Geeignete verkaufsfördernde Maßnahmen sind Sonderaufbauten, die das Produkt in den Vordergrund rücken, etwa Schneidetische, auf denen Bergkäse platziert ist“, empfiehlt Matthias Köpf. Arla Foods bietet in seiner Linie Arla Bergbauern seit 2012 einen Bergkäse als SB-Artikel an. Außerdem vermarktet das Unternehmen die Spezialitäten Urtaler und Oberstdorfer Bergkäse für den Theken-Verkauf. „Die Arla Bergbauern-Produkte profitieren von der steigenden Nachfrage nach Produkten mit klarem regionalen Absender“, sagt Tanja Jassmeier, Category Director Cheese. Weil das Thema Regionalität weiterhin an Bedeutung gewinnt, sieht das Unternehmen noch starkes Entwicklungspotenzial für seine Bergkäse-Produkte. BERGKÄSE IST … … nach der deutschen Käseverordnung ein Hartkäse mit mindestens 62 Prozent Fett in der Trockenmasse, der mindestens drei Monate reifen muss. Ansonsten sind die Herstellung in einer Bergregion und mindestens 70 Prozent Milch von Bergweide Kühen die Mindeststandards. Doch qualitätsorientierte Hersteller erzeugen Bergkäse nach traditioneller Rezeptur, die wegen des Gärprozesses nur mit silagefreier Milch funktioniert. Auch ist die Milch von der Bergweide entscheidend für den Charakter eines Bergkäses, weil sie für sein würziges, nuancenreiches Aroma sorgt. Traditionell reifen Bergkäse mindestens sechs Monate und bis zu zwölf Monate. Allgäuer Bergkäse trägt in Deutschland die geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.) nach EU-Recht. In Bezug auf die Herkunft der Milch setzen sich deutsche Hersteller oft selbst Standards. So müssen die Weiden auf einer bestimmten Mindesthöhe liegen, damit von Bergbauern-Milch gesprochen werden kann. In Österreich und in der Schweiz wird zwischen Berg- und Alpkäse unterschieden. Alpkäse werden komplett aus Heumilch vom Berg und direkt auf der Alp erzeugt, weshalb die Herstellung nur im Sommer erfolgen kann. Bergkäse werden in einer bestimmten Bergregion hergestellt und dürfen auch im Winter produziert werden. Mehrere österreichische Alp- und Bergkäse-Spezialitäten tragen eine geschützte Ursprungsbezeichnung nach EU-Recht. Ein großer Teil der Schweizer Alpkäse wird mit dem AOPGütezeichen ausgezeichnet (Appellation d‘Origine Protégée). Seit Juli dürfen Schweizer Alp- und Bergprodukte mit speziellen Kennzeichnungen „Produkt vom Berg“ und „Produkt von der Alp“ versehen werden, die das Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft entwickelt hat. Die Arla-Bergkäse werden aus Heumilch von Bergwiesen in mindestens 800 Metern Höhe erzeugt. Sämtliche Bergbauern-Betriebe liegen im Umkreis der Molkerei in Sonthofen. „Heumilch steht für eine außergewöhnliche Milchqualität und traditionelle Form der Milchviehhaltung. Diese besonderen Qualitätsmerkmale kommunizieren wir ausdrücklich“, erklärt Tanja Jassmeier. Im Frühherbst bietet Arla dem Handel eine Oktoberfest-Promotion für die Theken-Produkte mit Deko- Material und Incentives an. Beim Kauf von mindestens 250 g Bergkäse erhalten Kunden ein Arla Bergbauern-Lebkuchenherz. Bereits seit 1972 stellt die Käserei Baldauf in Lindenberg im Allgäu einen Alpkäse aus silagefreier Bergbauernmilch her. Seit 1991 vermarktet das Unternehmen auch einen Bergkäse von der Hochalpe. Dabei verwendet Baldauf den Begriff Alpkäse für das eine Produkt, weil Bergkäse früher nur maximal 48 Prozent Fett in der Trockenmasse haben durfte. „Da die Milch für den Baldauf-Alpkäse aber nicht entrahmt wird, hat unser Käse mindestens 50 Prozent Fett“, sagt Annett Baldauf vom Marketing der Käserei. Annett Baldauf rät, am POS stärker den hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren im Bergkäse hervorzuheben. Milch von Kühen mit ausschließlicher Bergweide-Fütterung hat nachweislich einen höheren Anteil an diesen Fettsäuren. Außerdem müsste der Handel dem Konsumenten besser erklären, welche Mehrwerte hinter dem Preis des Produktes stehen. „Auf der einen Seite haben wir einen Großbauern, der seine 200 Kühe ausschließlich mit Silage füttert und seine Arla Foods verfügt seit der Übernahme der Allgäuland Käsereien ebenfalls über Bergkäse im Portfolio. Im Frühherbst 2014 werden die Produkte an den Bedienungstheken im Rahmen einer Promotion in Szene gesetzt. Die Ökologischen Molkereien Allgäu machen an den Bedienungstheken mit einer ausgefallenen Idee auf ihre Produkte aufmerksam: Mit einem Informationsblatt, das wie ein Beipackzettel für ein Medizinprodukt gestaltet ist, werden die Kunden auf humorvolle Art und Weise über das Produkt und seine Risiken und Nebenwirkungen informiert. Tiere unter Umständen das ganze Jahr im Stall hält. Auf der anderen Seite haben wir die Bergbauern, die ihre 20 bis 40 Tiere nur mit Gras und wirtschaftseigenem Heu füttern und die Kühe im Freien halten.“ Bei einem deutlich höheren Arbeitsaufwand erziele der Bergbauer einen geringeren Milchertrag, zumal die oft steilen Hanglagen schwer zu bewirtschaften seien.


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