Querdenker – kreative Zerstörer

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mi | Management Querdenker – kreative Zerstörer Personalmanagement 44 11 2014 | moproweb.de Heiner Fischer: In einzelnen Branchen entstehen gar Seilschaften unter Geschäftspartnern oder Konkurrenten, wodurch die persönlichen Vorteile einzelner Teilnehmer mehr Bedeutung gewinnen als der Unternehmenserfolg (Foto: Herbold Fischer Associates) Unternehmen haben immer mehr Probleme, gute Fachleute zu finden; von diesen haben sie aber eine sehr genaue Vorstellung: zur Unternehmenskultur soll der neue Mitarbeiter passen, möglichst jahrelange Erfahrung im jeweiligen Fachgebiet vorweisen und keine Scherereien machen. Stellt sich dann ein Kandidat vor, der zwar hochqualifiziert ist, aber in Auftreten, Lebenslauf oder allgemeiner Lebensanschauung nicht ins vorgegebene Raster passt, machen die meisten Unternehmen dicht. Wenn man eines nicht will, dann das, was man einen Quer- oder Charakterkopf nennt. „Ein großer Fehler“, unterstreicht Heiner Fischer, einer der führenden deutschen Headhunter und Geschäftsführer der auf Executive Search spezialisierten Personalberatung Herbold Fischer Associates. „Querdenker oder Charakterköpfe haben zwar auf den ersten Blick nicht das Profil, das als Voraussetzung festgelegt wurde“, so Fischer. „Sie haben oftmals einen bewegten, nicht lückenlosen Lebenslauf, verfügen nicht über die gewünschte Branchenerfahrung und sind vor allem nicht aalglatt, sondern haben Ecken und Kanten.“ Denn auch, wenn diese Eigenschaften zunächst ein Ausschlusskriterium sind, können Unternehmen auf vielfältige Weise davon profitieren: Vorteil 1: Frische Köpfe – frische Ideen Eine Branche tickt fasst immer gleich. Wer lange genug dazugehört hat, entwickelt recht schnell eine „Betriebsblindheit“ und agiert in einem festgesteckten Rahmen. Ist auch der neue Kollege bereits seit Jahren in derselben Branche tätig und in ihrer Kultur zuhause, bringt er eher ein abgestandenes Lüftchen als frischen Wind mit ins Unternehmen: Neue Ideen – Fehlanzeige! „Querdenker oder Charakterköpfe bringen hingegen neue Erfahrungen und Ideen mit“, so Heiner Fischer. „Sie agieren als kreative Zerstörer und inspirieren im Idealfall auch die ’alten’ Kollegen und lösen so neue Denkweisen aus.“ Vorteil 2: Querdenker sind unvoreingenommen Querdenker sind darin geübt, mit festgefahrenen Strukturen und Besonderheiten einer Branche umzugehen: Sie ignorieren diese einfach und gehen völlig unvoreingenommen an den neuen Job heran. Vorhandene „Schwächen“ versuchen sie zu beseitigen oder zu umgehen, anstatt sie als gegeben hinzunehmen. Sie entwickeln neue Strategien und Herangehensweisen. Fischer: „Dadurch kann das Unternehmen neue Lösungen für alte Probleme entwickeln und sich von der Konkurrenz abheben.“ Vorteil 3: Alte Seilschaften aufbrechen Langjährige Kollegen, direkte Mitbewerber, Kunden oder Lieferanten – ist die Branche klein, kennt man sich gut. Das bedeutet, keiner will dem anderen wirklich auf die Füße treten. Dies hat nicht nur positive Auswirkungen: In einzelnen Branchen entstehen gar Seilschaften unter Geschäftspartnern oder Konkurrenten, wodurch die persönlichen Vorteile einzelner Teilnehmer mehr Bedeutung gewinnen als der Unternehmenserfolg. Die Geschäftsführung erfährt davon meist nichts, das Unternehmen tritt auf der Stelle. Ein Querdenker, der nicht über diese „Bekanntschaften“ verfügt – oder verfügen will –, bricht diese Seilschaften auf. „Seine Loyalität gilt dem Unternehmen, nicht einzelnen Personen“, betont Fischer. Und auch die Kollegen profitieren: Oftmals werden die „alten Hasen“ dadurch wieder angespornt und es entsteht eine ganz neue Teamdynamik. Vorteil 4: Querdenker sind projektorientiert Die Zeiten sind vorbei, in denen ein Mitarbeiter eine bestimmte Funktion erlernt und diese 30 oder 40 Jahre ausübt, bis er in Rente geht. Das moderne Berufsleben ist projektorientiert. Soll heißen: Mitarbeiter übernehmen eine bestimmte Aufgabe oft nur noch für die Dauer eines Projekts. Ist das Projekt abgeschlossen, folgt schon das nächste – mit womöglich völlig anderen fachlichen Anforderungen. Dann ist Flexibilität gefragt; jeder Mitarbeiter muss sich schnellstmöglich in die neue Aufgabe einarbeiten. Für Projekte werden zudem immer neue Teams zusammengestellt. Jeder muss sich also auf unterschiedliche Charaktere und Arbeitsweisen einstellen.


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